Wiedereröffnung der St. Beatus-Höhlen


Am kommenden Palmsonntag öffnen sich die St. Beatus-Höhlen wieder für die BesucherInnen. Gleichzeitig schliesst die Höhle für uns Höhlenforscher. Warum denn? Im Sommer ist der Zugang zu den Karrenfeldern in der Höhe (Siebenhengste, Hohgant, etc.) viel einfacher als im Winter, und unsere Forschungen würden den Betrieb der St. Beatus-Höhlen mehr oder weniger stören - also ist es für beide Seiten ideal, dass im Sommer in der Höhe geforscht wird.

Manch einer mag sich die Frage stellen, was es denn eigentlich noch zu forschen gibt in der Höhle? Schliesslich erschien ja 2004 das Buch «Die St. Beatus-Höhlen: Entstehung, Geschichte, Erforschung», wo alle Forschungen und ein kompletter Plan vorgestellt werden. Stimmt schon - aber eine fast 12 km lange Höhle ist nie komplett fertig. Diesen Winter wurde beispielsweise eine Wasserleitung erstellt, die einen trockenen Gang bewässerte, um herauszufinden, wo das Wasser wieder zum Vorschein kommt. Resultat: Es erscheint wieder im Nordgangsiphon! Dieser Siphon ist lang, tief und sehr schwierig zu tauchen. Nun werden wir versuchen, diesen Siphon im nächsten Winter auszupumpen und auf diese Weise vorzustossen.

Parallel dazu forschen wir auch im Einzugsgebiet der Höhlen, in der Region des Dorfes Beatenberg selber! Die neue Überbauung des alten Hotels Oberland führte diesen Februar dazu, die alten Rohre, in denen das Dachwasser versickerte und in die Wurzeln eingewachsen waren, freizulegen und zu sanieren. Dabei konnte die unter dem Humus vermutete Höhle wieder freigelegt werden. Der warme Luftzug zeigt klar: Das wäre ein Eingang in die St. Beatus-Höhlen! Leider ist bereits nach 34 m Tiefe das Ende erreicht, der Luftzug strömt aus unbegehbaren Spalten...

So haben wir sommers wie winters genügend zu tun, auf und unter dem Boden. Und für die nächsten Jahrzehnte wird uns die Arbeit nicht ausgehen! Wer hat Lust, mitzuhelfen?

Philippe Häuselmann, Unterseen



Der Oberlandschacht führt leider nicht in grosse Tiefen, ist aber dafür grossräumig. Die Wurzeln links auf dem Foto hatten die alte Wasserableitung verstopft. Foto R. Siegenthaler.